Dr. Nicole Deufel

Museum Tagebuch.


Schiffsmodelle auf dem wilden Ozean in Südkorea

Im National Maritime Museum of Korea geht es vor allem um die Menschen – die Furcht, die sie angesicht der unbeherrschbaren See empfunden haben, die Mythen und Legenden, die daraus entstanden sind, und die Kunst, die davon inspiriert wurde. Die Macher:innen der Ausstellung arbeiten in der Präsentation der Sammlungsobjekte viel mit Emotionen, um diese Erfahrungen mit den Besucher:innen zu teilen.

Hervorragend gelungen ist das meiner Meinung in der Navigation Hall, oder genauer, im Raum zur Ära der Navigation:

Der vorausgehende Ausstellungsraum zeigt Navigationsinstrumente und spricht vom Entdeckergeist der Menschen, nicht nur in Korea sondern weltweit. Die See war ein unbekannter Horizont, den sie trotz aller Gefahren erobern wollten.

Eingestimmt auf diesen Gedanken der Ungewissheit, als die Menschen sich in ihren Schiffen auf den Weg machten, kommt man als Besucherin dann völlig unerwartet in diesen Raum. An vier Wänden bewegen sich die abstrahierten Wellen, man hört das Brausen und Rauschen des grenzenlosen Ozeans, und die Schiffsmodelle in der Mitte wirken fast schon trotzig. Sie sind nicht mehr nur Fortbewegungsmittel, sondern Symbole des menschlichen Geistes, der nach Erkenntnis strebt.

Viel mehr Interpretation braucht es dann auch nicht mehr. Die Schiffsmodelle sind internationale Beispiele, die kurz über Texttafeln erklärt werden. Die eigentliche Botschaft des Raumes kommt ganz ohne Worte klar: Wissensdurst hat die Menschheit bewegt, immer bessere Schiffe zu bauen und so die Gefahren des Meeres zu bezwingen. Dass statt Videoaufnahmen von Meereswellen nur abstrakte Striche dieselben repräsentieren, macht diese Präsentation kunstvoll und damit nur noch eindrücklicher (und verhindert, dass einem von der Bewegung schlecht wird).

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