Museumsarchitektur kann zu einem außergewöhnlichen Besuchserlebnis beitragen – besonders dann, wenn sie klug mit der Interpretation im Einklang steht. Das ist vor allem dort wichtig, wo der eigentliche Grund für das Museum außerhalb seiner Mauern, in der umgebenden Kulturlandschaft liegt.
Das ist der Fall beim Urquhart Castle, der ikonischen Burgruine am Ufer des Loch Ness. Um zur Ruine zu gelangen, muss man zunächst einen recht steilen Abhang runter. Für LDN Architects bot das die Gelegenheit, das Besucherzentrum in den Hang zu integrieren.
Zum Einen minimiert das den visuellen Eingriff in den Kontext dieses historischen Ortes. Zum Anderen hat man von hier den besten Blick auf diesen Kontext und die Ruine selbst.
Historic Environment Scotland, die für Urquhart Castle verantwortlich zeichnen, hätten jetzt einfach das Café hier platzieren können. Stattdessen haben sie die Architektur für die Interpretation genutzt. Und mit welchem dramatischen Effekt!
SPOILER ALERT
Als Besucherin gehe ich in ein typisches Kino, um mir den Einführungsfilm anzusehen. Der Raum ist dunkel, ich weiß was kommt, in mitreißenden Bildern reise ich durch die Geschichte von Urquhart bis ins späte 17. Jahrhundert, als abziehende Soldaten die Burg in die Luft sprengen. Die Jakobiten sollen sie nicht mehr einnehmen können, und was bleibt, sind nur noch Überreste ihrer einst mächtigen Mauern. Das alles wird so emotional erzählt, dass ich fast Tränen in den Augen haben.
Aber dann! Während ich noch um Fassung ringe, hebt sich langsam der Vorhang, auf den eben noch der Film projiziert wurde. Dahinter enthüllt sich nun auf der gesamten Länge des Kinos ein Fenster, das direkt auf die Burgruine selbst blickt. Mir stockt fast der Atem, denn mit einem Schlag wird die Filmgeschichte Realität.
Eine Realität, die ich mir jetzt gleich selber erschließen kann, nachdem ich durch die unscheinbare Tür an der Seite des Fensters nach draußen trete.
Dieses Erlebnis hatte ich übrigens vor mehr als fünfzehn Jahren. Dass ich heute noch darüber schreibe ist Zeugnis, wie erfolgreich hier Architektur und Interpretation zusammengespielt haben. Einfach großartig.

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