Dr. Nicole Deufel

Museum Tagebuch.


Video-Storytelling, oder: Mut zur Legende!

Das neu präsentierte Poole Museum hat viele gute Ansätze. Dazu gehört auch der Einsatz von Videoanimationen zum Storytelling, wie etwa zur Legende von Pooles Pirate:

Harry Payes Geschichte war mir gänzlich unbekannt, weshalb ich mich sofort auf das Video stürzte.

Die Animation ist toll, auch ohne Sprachkenntnisse gut zu verstehen, witzig und mitreißend, mit einem historischen Flair.

Das einzige Problem: da hatte wohl jemand Sorge, dass wir nun unsererseits die Legende als Faktum in die Welt hinaus tragen. Anstatt Harry Payes Geschichte zu erzählen, stellte das Video eine Frage nach der anderen, wie etwa hier:

Die Antwort ist am Ende vorhersehbar: nein, die Legende lässt sich in den meisten Details nicht belegen.

Das gesamte Video scheint dieser Botschaft gewidmet. Anstatt uns Unwissenden erst einmal die Legende des Mannes zu erzählen, der zu Pooles bekanntesten Einwohnern zählt und dessen Namen viele Orte in der Stadt tragen, wird die eigentliche Geschichte fast zur Nebensache. Ich musste sie mir selbst aus den Fragen heraus konstruieren, und das hat wenig Spaß gemacht.

Harry Paye inspiriert die Menschen in Poole offensichtlich heute noch, feiern sie ihn doch jährlich mit dem Harry Paye Day und einer Pirates Parade. Das erscheint mir als die wichtige Botschaft in einem städtischen Museum, und diese Art der Animation als Storytelling ist dafür perfekt geeignet. Die Tatsache, dass die Legende auf wenigen, nun, Tatsachen beruht, die hätte man elegant und viel weniger schulmeisterlich am Ende kurz anbringen können.

Wobei – ich würde meine eroberten Schätze nicht darauf verwetten wollen, dass die Besucher:innen des Museums davon nicht sowieso schon ausgehen.

Posted in