Dr. Nicole Deufel

Museum Tagebuch.


Licht! auf die Mary Rose

Das Mary Rose Museum in Portsmouth wurde um das Trockenbecken für King Henrys Lieblingsschiff herum gebaut. Das Wrack liegt im Zentrum der Gallerien, und die vorgegebene Route führt uns mehrfach auf verschiedenen Ebenen daran vorbei.

Das zentrale Thema des Museums wird damit forciert: „Entdecke die Mary Rose!“ Und zwar immer wieder neu, mal klaustrophobisch von ganz unten, wo es im Schiff dunkel und eng war, bis (fast) aus der Vogelperspektive, wo die Mary Rose dank Luftschleuse ohne Glas zum Greifen nah scheint.

Das über vierhundert Jahre alte Holz sowie die Fundstücke der Mary Rose vertragen nicht viel Licht, aber die Interpretation macht aus dieser Not eine Tugend. Die Präsentation baut auf den Kontrast von Hell und Dunkel, und setzt dabei Licht gezielt als dramatischen Blickfänger ein.

In der Schiffshalle kommt dies besonders zum Tragen: das Wrack der Mary Rose schwebt aus dem Dunkel hervor, als ob wir es erneut auf dem Seeboden entdecken würden. Das Licht, zusammen mit den unterschiedlichen Perspektiven auf das Wrack, nehmen uns mit auf eine intime Begegnungsreise, in der Dramatik groß geschrieben wird.

Mir gefällt das. Ja, hat mir eine Mitarbeiterin bestätigt, manchen Besucher:innen sind die Ausstellungsgallerien teilweise zu dunkel, sie können Objekte nicht gut sehen und Text nicht lesen, insbesondere in den sogenannten Spiegelgallerien, die der Mary Rose gegenüber liegen. Die überwiegende Reaktion sei jedoch ein hörbares „Wow!“, wenn die Besucher:innen an der Mary Rose entlang gehen.

Die Präsentation hat damit subtil ihr Ziel erreicht. Well done!

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